Grenzen überWINDen- YFP Seminartörn zu EU-Flüchtlingspolitik, Migration, Ursachen und Grenzen

Welche Gründe bewegen Menschen zur Flucht? Können wir als Noch-nie-Geflüchtete darüber reden? Wie werden Grenzen bewacht, welche Legitimation besitzt Frontex und welche Hindernisse erwarten Flüchtinge in der EU? Was geht es mich an und was kann ich tun?

Die Idee war, uns auf dieser Reise mit einem Thema auseinander zu setzen, was bei den meisten von uns im Alltag leider oft zu kurz kommt obwohl wir es für wichtig halten. Um dies zu ermöglichen wollten wir einen offenen und freien Raum jenseits des Alltagslebens schaffen um mit- und voneinander zu lernen. Der Traditionssegler Lovis schien uns der passende Ort dafür – setzt sich die Crew doch schon seit Jahre mit Flüchtlingspolitik auseinander. So kamen 25 junge Erwachsene aus Deutschland und Dänemark zusammen und brachten die unterschiedlichsten Vorkenntnisse mit sich. Einige konnten bereits aktiv in der Flüchtlingshilfe Erfahrungen sammeln, andere waren mit dem Thema nur aus den Tagesmedien vertraut. Genau dies war die Voraussetzung für ein produktives, gemeinsames Lernen.

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Segeltörn vom YFP auf der Lovis zum Thema Grenzen überWINDen

Lernen und Leben auf engstem Raum, Segeln und Ankern, Anlegen und Segelbergen, Kleingruppenarbeit, Open Space und Diskussion. Unsere Tage wurden zunächst durch das Segeln strukturiert. Beim Segelsetzen oder bei Manövern waren alle gefordert und durften mitanpacken. In den Zwischenzeiten haben wir uns zusammengefunden und inhaltlich gearbeitet. Es gab Kleingruppendiskussionen zu Themen wie FRONTEX oder Klimaflüchtlinge, Input-Referate zu Critical Whiteness und Selbsterfahrungsrunden zur Mainstream-Margin Problematik. Wir haben uns ein Bild der rechtlichen Lage machen können und von aktuellen Beispielen zur Unterstützung von Geflüchteten vor Ort gehört.

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Abwechslungsreicher Wochenplan

Neben der inhaltlichen Auseinandersetzung mit dem Thema haben wir gemeinsam gekocht und gelacht, Ingwer gegen die Seekrankheit gemampft und uns im Klüvernetz die Gischt um die Ohren spritzen lassen. Wir haben von den Skipper_Innen viel über die Situation im Mittelmeer gelernt, aber auch was das Besan oder ein Backstag ist.

Nach dem fünftägigen Segeltörn sind wir gemeinsam nach Hamburg gefahren und haben uns mit der Flüchtlingsarbeit vor Ort auseinander gesetzt. Am Samstag haben wir uns am nationalen Aktionstag von Blocupy unter dem Motto „Solidarity Beyond Borders, Building Democracy From Below“ einer Demonstration in der Hamburger Innenstadt angeschlossen. Am Abend konnten wir im Café Knallhart noch persönlich mit Refugees aus Lampedusa in Kontakt kommen und so die Geschichten von Menschen hören, die das, worüber wir nur theoretisch reden können praktisch erlebt haben – sein Zuhause, die Familie zurücklassen um den Versuch einer Grenzüberquerung in die EU zu wagen.

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