Open Source Ecology

Was wäre, wenn wir das beste Wissen in der Welt über unsere Technologien und unsere Ökonomie sammeln, dieses ständig gemäß nachhaltigen Grundwerten weltweit weiterentwickeln und an möglichst vielen Menschen als Open Source verteilen? Diese Frage hat das Projekt Open Source Ecology angestoßen.


Der Gründer Marcin Jakubowski hat sich schon immer gefragt wie die Technologie nützlich für die Menschen sein kann. Er selber hat zwei großen Blockaden dafür erlebt: Konkurrenz und Irrelevanz. In einem Wettbewerb durfte sein Team wichtige Innovationen mit einem anderen Team aus Wettbewerbsgründen nicht austauschen und dies hat es nicht ermöglicht innovative Technologien zu entwickeln. Marcin hat auch festgestellt, dass seine Promotion in Kernphysik überhaupt nicht zu Lösungen der weltweiten dringenden Problem, die wir haben, beiträgt. In seine Wörter: „The world presented me with options, and I took them. I guess you can call this the consumer lifestyle.“

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Dann ist Marcin auf dem Land umgezogen und hat das erste große Ziel festgelegt – den Globalen Dorfbaukasten. Das sind die 50 Technologien zum Aufbau einer nachhaltigen Ökonomie in den Bereichen Fertigung, Bauwesen, ökologische Landwirtschaft, erneuerbare Energie und Transport – von Traktoren, über Windkraftwerke bis hin zu Autos.

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Die Baupläne für eine Erdziegelpresse und Ackerfräse, einen Traktor mit einfacher Struktur und ein Hydraulikaggregat sind veröffentlicht und werden von der Community verbessert. Weitere Maschinen wie CNC Brennschneidtisch, Stanz- und Biegepresse, Kreissäge, Sägewerk und Baggerschaufel sind in Entwicklung und werden Schritt für Schritt veröffentlicht.

Das Besondere sind die Grundwerte für die Entwicklung der Technologien. Open Source bedeutet, dass alles über eine Technologie transparent für alle ist – die Forschung und Design, Fertigung, Benutzung, Pflege, Reparatur, Wiederverwendung und Recycling. Reproduzierbarkeit und Eignung für den Eigenbau versetzen technisch möglichst viele Menschen in die Lage, die Technologien zu bauen. Modulen können zwischen verschiedenen Technologien ausgetauscht werden und so werden materielle Ressourcen und Zeit gespart und ein weltweit verteiltes Know-how geschafft. Es werden noch weitere Grundwerte berücksichtigt, um möglichst nachhaltige Technologien zu entwickeln.

Open Source Ecology (OSE) geht einen Schritt weiter und entwickelt reproduzierbare Unternehmen, deren Kernbetriebsstrategie die offene unabhängige Reproduktion des Unternehmen ist. Die Organisationsprozesse, Buchhaltung, Kooperationen, Strategieentwicklung und -implementierung sind offen und jeder kann von denen lernen, sie anwenden und verbessern. So entsteht ein weltweit offenes Netzwerk von Menschen und Organisationen, die Technologien und Unternehmen nachhaltig verbessern und einen wirklichen Mehrwert lokal und global schaffen. Dieser offene Innovationszyklus wiederholt sich ständig und treibt in hoher Geschwindigkeit ökonomische Verbesserungen weltweit an. Das ist die Open Source Ökonomie.

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In Deutschland entwickelt OSE Germany zur Zeit Projekte in dem Bereich erneuerbare Energien. Die offene Forschungs- und Entwicklungsplattform für kleine Windturbinen ermöglicht die kostengünstige Entdeckung und Nutzung von erneuerbaren Energien in jedermanns Garten.

Es werden des Weiteren ein Open Source Niederspannungsstromnetz und ökologische Zink-Luft Batterien als Energiespeicherung entwickelt. Im Bereich Recycling wandelt ein Plastik-Schredder und -Extruder den Plastikabfall in Plastik-Filament um, welches dann von einem 3D-Drucker in das gewünschte 3D-Objekt hergestellt werden kann.

Ein Ziel ist es ein ganz offenes Netzwerk von Menschen und Organisationen aufzubauen, die auf diese offene Weise zusammenarbeiten. Das Netzwerk soll Identitätsunabhängig sein, sogar von Open Source Ecology, um Identitätskonflikte zu vermeiden und das Fachwissen, den Ressourcenfluss und die gemeinsame Unterstützung auf die Entwicklung der Open Source Technologien zu konzentrieren. Das Motto ist: jede Person und Organisation, die Technologien gemäß nachhaltigen Grundwerten entwickelt und diese gerne open sourcen (würden), soll unterstützt werden.

Wer macht in Deutschland mit und warum? Achmed Touni ist Physiker und eine Innovation von ihm wurde bürokratischerweise geklaut und patentiert und ihre Weiterentwicklung wurde gestoppt. Er hat praktisch die Nachteile einer geschlossenen Entwicklung erlebt und deswegen versteht und lebt er die Open Source Werte. Alex Shure ist professioneller Techniker und er macht mit, weil es ihm einfach Spaß macht und Open Source die Lernfähigkeit und Entwicklung der Technologien vorantreibt. Er liegt viel Wert auf Qualität und bringt gerne seine Fähigkeiten an anderen Menschen bei. Aron Homberg ist IT-Entwickler und baut zur Zeit eine offene Kommunikationsplattform und später die Open Source Alternative von Google Docs auf. Er zeichnet sich mit Menschlichkeit, Professionalität und Gemeinwohlorientierung aus. Nikolay Georgiev hat seinen Job bei großen IT-, Energie- und Automobilunternehmen wegen Irrelevanz, langsamer Innovation und Greenwashing gekündigt und sein Leben der Open Source Ökonomie gewidmet. Es liegt ihm am Herzen, dass alle Menschen die physikalische Möglichkeit und Freiheit haben, ihre Träume zu verwirklichen. Oliver Schlüter ist gelernter Tischler, lebt auf dem Land und ist im landwirtschaftlichen Bereich tätig. Er möchte Energieautonomie und ein selbstverwirklichtes Leben aufbauen. Noch mehrere Menschen tragen zu der Entwicklung direkt oder indirekt und die Tendenz ist steigend.

In einer Zeit, in welcher Apple und Google mehr Geld für Patentkämpfe als die Forschung und Entwicklung von neuen Produkten ausgeben und John Deere Geschäfte mit eigenen Franchisenehmer, die lieber Maschinen reparieren statt neue zu verkaufen, abbrechen, bereitet Open Source Ecology einen nachhaltigen und offenen Weg für eine effiziente Ökonomie.

Lizenz der Fotos: Creative Commons Share Alike mit Namensnennung „Open Source Ecology“.

Webseite und Kontakt zum Projekt über: opensourceecology.de